Gründerstorys on- & offline – Erfolgreiche Konzepte für vitale Innenstädte

Die Welt ändert sich rasch und so muss sich auch der Einzelhandel umstellen. Entertainment wird immer wichtiger, die Leute suchen nach dem Erlebbaren. Kurse und Events stehen hoch im Kurs und können die Stadt zu einem Erlebnisort werden lassen

„Eine vitale Innenstadt entsteht nur, wenn Menschen sich aktiv engagieren, alles steht und fällt mit den Akteuren vor Ort. Kunden möchten immer mehr wissen, woher und von wem Produkte kommen und erwarten Qualität. Gerade Handwerker können hier punkten und unvergleichliche Werte von hoher Qualität schaffen“, sagt Roman Müller. Er betreibt mit seiner Frau Mareike „Die Goldschmiede Wetzlar“ in der Altstadt von Wetzlar. „Die Welt ändert sich rasch und so muss sich auch der Einzelhandel umstellen. Entertainment wird immer wichtiger, die Leute suchen nach dem Erlebbaren. Kurse und Events stehen hoch im Kurs und können die Stadt zu einem Erlebnisort werden lassen. Wir selbst geben zum Beispiel Trauringkurse oder lassen die Kunden am Entstehen ihrer Schmuckstücke aktiv teilhaben. Den Mehrwert über Preis und Angebot zu argumentieren, da kann der Einzelhandel nicht gegen das Netz gewinnen“, so Müller weiter.

Die beiden haben damit ein Prinzip umgesetzt, das auch Fachleute wie Boris Hedde, Autor der Studie „Vitale Innenstädte 2018 – Wetzlar im bundesweiten Vergleich“ und Geschäftsführer beim Institut für Handelsforschung (IfH) in Köln, empfehlen. Für die Studie wurde 2018 bereits zum dritten Mal eine groß angelegte Passantenbefragung in deutschen Innenstädten durchgeführt. Dabei wurde nach den Erfolgsfaktoren für zeitgemäße attraktive Innenstädte vor dem Hintergrund von Urbanisierung, Digitalisierung und Strukturwandel gefragt. Kooperation und neue Geschäftsmodelle sind zwei wichtige Reaktionsmöglichkeiten auf den Siegeszug des Onlinehandels: „Die Zeiten des Strukturwandels sind auch die Zeiten neuer Kooperationen. Gerade wenn es darum geht, Innenstädte zu beleben und fit für die Zukunft zu machen, sind neue Partnerschaften gefragt. Um Innovation auch für mittelständisch geprägte Innenstadtanbieter sicherzustellen, bietet es sich an, mit Start-ups und Gründern zusammenzuarbeiten und so neue Geschäftsmodelle für die Stadt zu erfinden“, sagte Boris Hedde auf der Diskussionsveranstaltung „Gründerstorys on- & offline – Erfolgreiche Konzepte für vitale Innenstädte“. Auf Einladung des Hessischen Gründerpreises und moderiert von Bibiana Barth von hr-iNFO diskutierten Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Hessen, Jordi Wittig Ventura, Inhaber von Ventura-Olivenöl, Paul Düsterhöft von BoomJackFashion und Moritz Neumann, Inhaber Neumann's Weinbar (alle drei Wetzlar) am Dienstag, 20. August 2019, von 19 Uhr an in Neumann's Weinbar am Eisenmarkt 5 in Wetzlar mit Hedde und Müller.

Mit Jordi Wittig nahm an der Veranstaltung ein Händler teil, der sein Geschäft nicht ins Internet verlegt hat, sondern den umgekehrten Weg gegangen ist: „Die Idee des Ladens war bereits einige Jahre in unseren Köpfen. Damals verkauften wir noch online unsere Olivenöle sowie Zitrusfrüchte und belieferten Hofläden. Die Wetzlarer Altstadt bot wegen der hohen Laufkundschaft einen guten Standort. Die Neugründung eines Geschäftes ist spannend und hielt mich und meine Familie bis zur Eröffnung schwer auf Trab. Unsere hochwertigen Produkte werden von unseren Kunden geschätzt. Wir schauen deshalb zuversichtlich auf das kommende Jahr“, sagte Wittig, der ebenso wie das Ehepaar Müller nur wenige Minuten Fußweg vom Laden zum Veranstaltungsort zurückzulegen hatte.

Auch Paul Düsterhöft kann spannende Erfahrungen über Handel on- und offline berichten. Er führt zwei Fashionstores in Gießen und Wetzlar und baut derzeit seinen Onlineshop weiter aus. Der Laden in Wetzlar entstand vor vier Jahren aus einem temporären Popup-Shop, zwei Jahre später folgte die Eröffnung in Gießen. Mit BoomJackFashion verbindet Düsterhöft nicht nur die digitale und die reale Welt, sondern auch kleine Labels, Biomode und Interior-Produkte. Seine Kundinnen und Kunden lockt er mit reger Aktivität auf Events und in den sozialen Netzwerken in seine Läden.

Moritz Neumann stimmte mit den anderen Rednern in vielen Punkten überein: „Der stationäre Einzelhandel gewinnt für mich im Zuge des Rückbesinnens auf Regionalität und Qualität wieder an Bedeutung. Unsere Gäste und Kunden wissen es zu schätzen, wenn sie gute und individuelle Beratung bekommen und sie Produkte finden, die es nicht an jeder Ecke gibt. Der individuelle Einzelhandel lebt von den Persönlichkeiten, die dahinter stehen, und die mit ihren Ideen den Unterschied aus machen. Unsere Altstadt bekommt viele neue Gesichter und entwickelt sich im Handel und in der Gastronomie sehr vielseitig und positiv. Nur dadurch hat die Innenstadt auf lange Sicht eine Chance zu überleben und bleibt auch für den Tourismus interessant.“

Sven Rohde vom Handelsverband Hessen sieht vielfältige Möglichkeiten, um Innenstädte vital zu halten: „Die Städte und auch der Handel haben inzwischen primär eine Erlebnisfunktion. Dieser gerecht zu werden, ist nicht einfach. Dafür braucht es innovative Konzepte und Mut zu Veränderung, sowohl digital, vor allem aber auch analog: im Handel mit Ambiente, Service und Emotionen, und in den Städten mit urbaner Vielfalt.“ Sein Verband unterstützt den Hessischen Handel mit der Digitalisierungskampagne handel.digital. Sie unterstützt Händler und Händlerinnen, die Digitalisierung gewinnbringend anzuwenden. Dazu werden praktische Anwendungsmöglichkeiten gezeigt und angeleitet, wie die Digitalisierung Schritt für Schritt genutzt werden kann. Die Kampagne stellt dafür Menschen vor, die digitale Lösungen bereits erfolgreich anwenden. Neben der Online-Plattform www.handel.digital werden Workshops, Vorträge und Informationsgespräche geboten.

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Pressemitteilung: "Gründerstorys on- & offline Erfolgreiche Konzepte für vitale Innenstädte"
Veröffentlichungsdatum: 20.08.2019
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